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Nomenklatur (Biologie)
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Nomenklatur (von lateinisch nomenclatura ‚Namenverzeichnis‘cite-ref-1[1]cite-ref-2[2]) bezeichnet in der Biologie die Disziplin der wissenschaftlichen Benennung von Lebewesen. Sie stellt innerhalb der Wissen­schaften die Grundlage fĂŒr eine international verstĂ€ndliche und nachprĂŒfbare Kommunikation ĂŒber Organismen dar. Dabei legen die Regeln der Nomenklatur nur die Benennung fest. Die Abgrenzung und Erkennung der systematischen Einheiten selbst (Taxonomie) und ihrer Hierarchie und Verwandtschaft (Systematik) sind davon unabhĂ€ngig.

Aufgrund ihrer Bedeutung ist sie in strenge Regelwerke gefasst, sogenannten Codes. FĂŒr die verschiedenen Organismengruppen (Pflanzen einschließlich Algen und Pilze, Tiere, Prokaryoten – Bakterien und Archaeen, sowie Viren und sogar Spurenfossilien) existieren jeweils eigene, voneinander unabhĂ€ngige Nomen­klatur-Regelwerke oder Konventionen.

Contents

‱ Geschichte
‱ Botanik
‱ Zoologie
‱ Virologie
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Die binĂ€re Nomenklatur (lateinisch binarius ‚zwei enthaltend‘, nomenclatura ‚Namensverzeichnis‘) als in der Wissenschaft gĂ€ngiges Klassifikationsschema (Taxonomie) fĂŒr die Nomenklatur der biologischen Arten geht auf Carl von LinnĂ© zurĂŒck.

Erste wissenschaftliche Werke ĂŒber Pflanzen und Tiere wurden ab etwa 1550 gedruckt, biologische Wissenschaft im heutigen Sinne mit empirischen Studien wurde ab etwa 1670, z. B. von Maria Sibylla Merian betrieben. Seither erhöhte sich die Zahl der bekannten Arten schnell auf mehrere Tausend, was ein effektives System biologischer Artnamensgebung erforderlich machte. Erste AnsĂ€tze zur binĂ€ren Benennung hatte es schon etwa durch die EinfĂŒhrung von Doppelbezeichnungen fĂŒr Gattungen und Arten durch John Ray und Caspar Bauhin gegeben.

Basierend auf frĂŒheren AnsĂ€tzen fĂŒhrte Carl von LinnĂ© in seinem Buch Species Plantarum im Jahre 1753 ein System zur Benennung von Pflanzenarten ein. Dieses System unterschied sich von vorigen Systemen darin, dass einem Gattungsnamen nur ein einziger Artname hinzugefĂŒgt wurde. FĂŒr die Zoologie folgte die EinfĂŒhrung 1758 in der 10. Auflage (1757–1759) seines fĂŒr die biologische Systematik grundlegenden Werkes Systema NaturĂŠ, das zwischen 1735 und 1768 in 12 Ausgaben erschien. Die EinfĂŒhrung des Binomen ersetzte die zuvor gebrĂ€uchliche umstĂ€ndliche Methode, die Artdiagnose, als sogenannte Phrase, in den Namen zu legen. Dabei waren zwar Namen fĂŒr die Gattungen schon ĂŒblich, die Art wurde aber durch eine Aneinanderreihung fĂŒr charakteristisch erachteter Merkmale umschrieben, die zudem nicht standardisiert war. Der Botaniker Dillenius beschrieb etwa 1718 eine Moosart “Bryum aureum capitulis reflexis piriformibus, calyptra quadrangulari, foliis in bulbi formam congestis”, sein Zeitgenosse Rupp nannte dasselbe Moos 1718 “Muscus capillaceus folio rotundiore, capsula oblonga, incurva”. In der binĂ€ren Nomenklatur nach der Methode von LinnĂ© machte Johannes Hedwig daraus Funaria hygrometrica.cite-ref-3[3]

Die von LinnĂ© eingefĂŒhrte binĂ€re Nomenklatur verkĂŒrzte und vereinheitlichte zwar die Form des Namens. Es blieb aber weiterhin ĂŒblich, dass verschiedene Autoren dieselbe Art mit verschiedenen Namen belegten. Es bildeten sich rasch nationale Systeme der Namensgebung heraus, meist der AutoritĂ€t bedeutender Forscher folgend. Es war ĂŒblich, dass dieselbe Art in England einen anderen Namen trug als in Frankreich oder Deutschland, und sogar innerhalb der Nationen verwendeten einzelne Forscher aus persönlichen Vorlieben oder Abneigungen heraus verschiedene Namen; einige wurden wohl auch von Eitelkeit dazu getrieben, neue Namen zu erfinden. Um diesen Zustand zu ĂŒberwinden, schlug 1842 eine Kommission der British Association for the Advancement of Science, der Forscher wie Charles Darwin und Richard Owen angehörten, ein Regelwerk zur Namensgebung vor, das nach dem Berichterstatter Hugh Edwin Strickland meist „Strickland Code“ genannt wird.cite-ref-4[4]

Wichtigste Neuerung des Strickland Codes war eine PrioritĂ€tsregel, nach der derjenige Name verwendet werden sollte, der vom Erstbeschreiber eingefĂŒhrt worden war, wobei aber nicht auf Namen vor LinnĂ©s Werk, in dem die binĂ€re Nomenklatur eingefĂŒhrt worden war, zurĂŒckgegriffen werden sollte. Bei einer taxonomischen Änderung wie der Aufspaltung einer Art oder Gattung in mehrere neue sollte immer eine der neu unterteilten Gruppen den ursprĂŒnglichen Namen behalten. Der „Strickland Code“ wurde von zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften auch in anderen Nationen formal ĂŒbernommen, er wurde mehrfach prĂ€zisiert und ĂŒberarbeitet, aber er war keinesfalls allgemein anerkannt oder verbindlich. Auf den Internationalen Kongressen der Zoologie (der erste war in Paris, 1889) wurden die Regeln lange debattiert und verschiedene Kommissionen eingesetzt. 1895 wurde die International Commission on Zoological Nomenclature gegrĂŒndet. Es dauerte aber bis zum fĂŒnften Kongress (in Berlin, 1901), bis man sich einig wurde. Das Ergebnis, die RĂšgles internationales de la Nomenclature zoologique, wurden 1905 (in französischer, englischer und deutscher Sprache) veröffentlicht. Diese wurden 1961 durch den International Code of Zoological Nomenclature ersetzt.cite-ref-5[5]

Der erste Vorschlag zur Vereinheitlichung der botanischen Nomenklatur stammte von Augustin-Pyrame de Candolle 1813. Sein Sohn Alphonse Pyrame de Candolle erreichte auf dem ersten Internationalen Botanischen Kongress in Paris die Verabschiedung des „Paris Codes“ (1867). 1905 wurde zwar ein Code beschlossen, der aber nicht von allen Botanikern akzeptiert wurde. Der erste Internationale Code der Botanischen Nomenklatur, der fĂŒr allgemein verbindlich erachtet wurde, wurde erst 1930 beschlossen.

Mit der Etablierung strikter, aber unterschiedlicher Regelwerke drifteten botanische und zoologische Regeln fĂŒr die Namensgebung endgĂŒltig auseinander. In der Bakteriologie orientierte man sich lange am botanischen Regelwerk, erste AnsĂ€tze fĂŒr einen eigenen Code (Bacteriological Code) gab es 1947. Aber erst mit Erstellung und Herausgabe der Approved Lists of Bacterial Names ‚anerkannte Listen der Bakteriennamen‘ 1980 war ein internationaler Code fĂŒr die Nomenklatur der Bakterien erfolgreich.cite-ref-icnb-1990-6-0[6]

Die frĂŒheste PrioritĂ€tsgrenze fĂŒr Fragen der zoologischen Nomenklatur wurde mit dem 1. Januar 1758 als festgelegtes Erscheinungsdatum der 10. Auflage der Systema NaturĂŠ bestimmt. FĂŒr die Botanik gilt entsprechend der 1. Mai 1753, das festgelegte Erscheinungsdatum der erste Ausgabe von LinnĂ©s Werk Species Plantarum. In Ă€lteren Werken verwendete Namen werden nicht anerkannt. Einzige Ausnahme ist hier in der Zoologie die Gruppe der Webspinnen, fĂŒr die per Beschluss der Zoologen das bedeutende Werk Svenska spindlar von Clerck (1757) als nach der 10. Auflage der Systema NaturĂŠ erschienen – und damit als verfĂŒgbar fĂŒr die Nomenklatur – erachtet wurde. In der Bakteriologie wurde vereinbart, dass alle nicht auf der Approved Lists of Bacterial Names aufgefĂŒhrten Bakteriennamen als ungĂŒltig anzusehen sind. Als Startpunkt fĂŒr den derzeit gĂŒltigen Code wurde der 1. Januar 1980 vereinbart, der damit die PrioritĂ€tsgrenze fĂŒr neue Bakteriennamencite-ref-icnb-1990-6-1[6] bzw. mittlerweile fĂŒr die Namen von Prokaryoten setzt.cite-ref-icnp-2022-7-0[7]

Der zweiteilige Grundbestandteil setzt sich aus dem Namen der Gattung, der stets als Substantiv mit einem Großbuchstaben beginnt, und einem heute immer kleingeschriebenen Epitheton, hĂ€ufig ein Adjektiv, welches in Kombination mit der Gattung die Art charakterisiert, zusammen. Das zweite Wort wird in der Botanik das Art-Epitheton (Epitheton specificum) genannt, in der Zoologie wird vom Artnamen (englisch specific name) gesprochen. Die beiden Wörter gemeinsam bilden die Bezeichnung einer Art (englisch name of the species). Zum Beispiel ist der wissenschaftliche Name fĂŒr den (anatomisch modernen) Menschen als Art Homo sapiens. Jede solche Kombination aus Gattungsname und Epitheton darf nur einmal – also nur fĂŒr eine Art – vergeben werden. Gattungsname und Epitheton wie auch die Bezeichnungen der ĂŒbrigen taxonomischen Gruppen entstammen gewöhnlich der lateinischen oder griechischen Sprache. Nichtlateinische Namen werden meist latinisiert – dies war frĂŒher grundsĂ€tzlich immer so, in der Tradition der Zeit, als Latein die Lingua franca der Gelehrten in der westlichen Welt war. Heute findet man allerdings immer mehr Ausnahmen. Native Sprachen an der TypuslokalitĂ€t können etwa mit oder ohne Latinisierung als Namensgeber dienen (Beispiele Mei long, Tiktaalik).

Im Gegensatz zum alltĂ€glichen Gebrauch erscheint das Binomen in der wissenschaftlichen Literatur in Kursivschrift.cite-ref-scientific-style-8-0[8] Bei Werken mit taxonomischen Themen folgt dem Namen der Art das Autorzitat, d. h. der Nachname oder das NamenskĂŒrzel desjenigen, der die erste gĂŒltige wissenschaftliche Beschreibung des Lebewesens verfasst hat. In angewandten Werken kann dies auch entfallen; hier wird hĂ€ufig z. B. auf eine Standardliste oder ein Namensverzeichnis verwiesen. Darauf folgt in der Zoologie und bei den Prokaryoten noch das Jahr der Veröffentlichung dieser Beschreibung. Weitere internationale nomenklatorische Bestimmungen regeln zum Beispiel, dass das Epitheton meist erhalten bleibt, auch wenn die Art in eine andere Gattung gestellt wird oder wenn sie vom Artstatus z. B. in eine Unterart ĂŒberfĂŒhrt wird etc.

Der Gattungsname wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben und ist ein erforderlichenfalls latinisiertes Substantiv im Nominativ Singular. FĂŒr die Mikrobiologie ist sogar vorgeschrieben, dass der Gattungsname als lateinisches Substantiv behandelt wird. Das Art-Epitheton in der Botanik wird ĂŒblicherweisecite-ref-10[9.1] klein geschrieben und ist ein lateinisches oder latinisiertes Adjektiv oder Substantiv im Nominativ Singular bzw. ein Substantiv im Genitiv. Ein Adjektiv muss im grammatikalischen Geschlecht dem Gattungsnamen folgen und wird bei einer Änderung der Gattung auch entsprechend angepasst. Dies gilt ebenso fĂŒr die Namen der Bakterien. In der Zoologie wird der Artname immer klein geschrieben (sogar am Satzanfang, im Englischen auch in Überschriften); eine in irgendeiner Sprache halbwegs aussprechbare Buchstabenkombination von mindestens zwei Buchstaben reicht aus. Ist der Artname ein lateinisches oder latinisiertes Adjektiv, wird dieses in den meisten Tiergruppen dem Geschlecht des Gattungsnamens angepasst.

Umlaute („Ä“, „Ö“, „Ü“, â€žĂ€â€œ, â€žĂ¶â€œ, â€žĂŒâ€œ) werden (etwa im Zug der Latinisierung) als Digraphen dargestellt („Ae“, „Oe“, „Ue“, „ae“, „oe“, „ue“), und nicht mehr wie frĂŒher als Ligaturen („Æ“, „ƒ“, „é“, „Ɠ“, 
), ebenso werden heute diakritische Zeichen (etwa bei der Lateinumschrift chinesischer Bezeichnungen) entfernt; in seltenen FĂ€llen kommt aber ein Bindestrich „-“ im Art-Epitheton vor. Außer in der Virologie wird das Epitheton heute stets mit einem Kleinbuchstaben beginnend geschrieben, auch wenn es vom Eigennamen einer Person abgeleitet ist.

Internationale Regelwerke zur Nomenklatur

Heute sind die folgenden Regelwerke (Nomenklatur-Codes) akzeptiert:


In den 1990er Jahren vorgeschlagen, jedoch bislang ohne Akzeptanz, sind PhyloCode und BioCode. Der BioCode möchte dabei ein einheitliches System der Nomenklatur fĂŒr alle Lebewesen mit Ausnahme der Viren einfĂŒhren, also die Systeme ICBN, IRZN, ICNB und ICNCP ersetzen. Im PhyloCode wird beabsichtigt, Regeln zur Bezeichnung aller ĂŒber der Art stehenden hierarchischen Gruppierungen zu geben.

Probleme bei der Vereinheitlichung der bestehenden Systeme der Nomenklatur bereiten die gar nicht so wenigen FĂ€lle, in denen derselbe wissenschaftliche Gattungsname sowohl im Tierreich als auch im Pflanzenreich oder bei Bakterien verwendet wurde. Beispielsweise bedeutet der Gattungsname Oenanthe im Pflanzenreich die Wasserfenchel (Apiaceae), im Tierreich die SteinschmĂ€tzer (Vögel, Muscicapidae). Weitere doppelt verwendete Gattungsnamen sind Alsophila, Ammophila, Arenaria u. a. Der ICZN empfiehlt (Recommendation 5),cite-ref-12[10.1] solche doppelten Namen nicht mehr fĂŒr neu zu beschreibende Gattungen zu vergeben. FĂŒr Prokaryoten sollen seit 2001 keine neuen Namen fĂŒr Gattungen oder höhere RĂ€nge vergeben werden, die in den botanischen und zoologischen Regelwerken bereits verwendet werden (Principle 2 des ICNP).cite-ref-icnp-2022-7-1[7]

Botanik

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Hauptartikel

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Internationaler Code der Nomenklatur fĂŒr Algen, Pilze und Pflanzen

FĂŒr die wissenschaftlichen Namen von Pflanzenarten, -gattungen, -familien und weiteren taxonomischen Rangstufen wird das von Carl von LinnĂ© 1753 in seinem Werk Species Plantarum begrĂŒndete binĂ€re Namensgebungssystem verwendet, das heute durch den „Internationalen Code der Nomenklatur fĂŒr Algen, Pilze und Pflanzen“ (ICN/ICNafp) – bis 2011 „Internationaler Code der Botanischen Nomenklatur“ (ICBN) – geregelt ist.

Bei Pflanzenarten dĂŒrfen der Gattungsname und das Art-Epitheton nicht identisch sein; der Name Linaria linaria wĂ€re zum Beispiel nicht gestattet (vgl. Tautonym).

Bei Namen unterhalb des Artranges muss der Name der Rangstufe genannt werden (in der Regel als AbkĂŒrzung: Unterart ⇒ „subsp.“ (frĂŒher auch „ssp.“), VarietĂ€t ⇒ „var.“, Forma ⇒ „f.“) – dies steht im Gegensatz zur zoologischen Nomenklatur. Die jeweilige AbkĂŒrzung wird dabei nicht kursiv geschrieben; Beispiel: Stachys recta subsp. grandiflora.

Zum vollstĂ€ndigen Namen gehört auch das AutorenkĂŒrzel des Namens, welches oft in KapitĂ€lchen und nichtkursiv geschrieben wird (z. B. Anchusa officinalis L.; „L.“ ist dabei das standardisierte KĂŒrzel fĂŒr „LinnĂ©â€œ (s. o.)). Wird eine Art spĂ€ter einer anderen Gattung zuge­sprochen (→ Umkombination), so wird der Autor des Basionyms weiterhin in Klammern aufgefĂŒhrt (z. B. Anchusa arvensis (L.) M.Bieb.; LinnĂ© hat also die Art beschrieben (als Lycopsis arvensis), von Bieberstein hat sie dann allerdings in eine andere Gattung gestellt).

Dieses doppelte Zitieren von Autorennamen ist in der zoologischen Nomenklatur zwar erlaubt, aber vollkommen unĂŒblich.

Zoologie

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Hauptartikel

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Internationale Regeln fĂŒr die Zoologische Nomenklatur

FĂŒr die wissenschaftlichen Namen von Tierarten, Gattungen oder Familien wurde das von Carl von LinnĂ© 1758 veröffentlichte Werk Systema NaturĂŠ als Startpunkt festgelegt.cite-ref-ausnahme-13-0[11] Die Namensgebung wird heute durch die Internationalen Regeln fĂŒr die Zoologische Nomenklatur (ICZN Code) geregelt.

Der wissenschaftliche Name einer Tierart besteht aus zwei Namensteilen, einem fĂŒr die Gattung (Gattungsname) und einem fĂŒr die Art (Artzusatz). Gemeinsam bilden sie den Namen der Art, der in dieser Kombination jeweils nur eine bestimmte Art bezeichnen darf, also eindeutig sein muss. Dabei beginnt der zweite spezifische Teil des Namens, der Artzusatz, der in der Zoologie missverstĂ€ndlicherweise auch Artname genannt wird, immer mit einem Kleinbuchstaben. Dagegen werden Gattungen, Familien und alle noch höheren Gruppen mit einteiligen Namen benannt, die mit einem Großbuchstaben anfangen (der Code regelt die Namensvergabe allerdings nur bis zur Familienebene).

Die verschiedenen Arten einer Gattung mĂŒssen unterschiedliche Namen tragen; den gleichen Artzusatz in verschiedenen Gattungen zu verwenden ist jedoch zulĂ€ssig. Anders als in der Botanik können in der Zoologie auch Namen vergeben werden, bei denen der Gattungs­teil und der Artzusatz gleich sind (Tautonymie, z. B. Uhu: Bubo bubo oder Gorilla gorilla). Im Artzusatz kann ausnahmsweise als Sonderzeichen ein Minus ‚-‘ vorkommen, wie etwa in Aelurillus v-insignitus.

binominale-nomenklaturInnerhalb der zoologischen Nomenklatur sind als ErgÀnzungen der binominalen (binÀren) Benennungen möglich:

‱ die Angabe des Namens der Unterart, die klein hinter dem Artnamen geschrieben wird (z. B. Homo erectus pekinensis)
‱ die Angabe des Namens der Untergattung, die in Klammern zwischen dem Gattungs- und dem Artnamen geschrieben wird (z. B. Helix (Cornu) aspersa, die Gefleckte Weinbergschnecke)

Außerhalb und innerhalb wissenschaftlicher ZusammenhĂ€nge werden auch weitere Namenskonstruktionen verwendet, auf die der Code der zoologischen Nomenklatur keine Anwendung findet (d. h. solche Namen werden vom Code nicht geregelt):

‱ die Benennung von VarietĂ€ten und Formen (z. B. Farbmorphen von Schmetterlingen) oder Zuchtformen oder anderen Einheiten unterhalb subspezifischen Rangs durch die AnfĂŒgung eines weiteren kleingeschriebenen Namens und der Bezeichnung var. fĂŒr VarietĂ€t bzw. forma fĂŒr Form. Die Bezeichnung VarietĂ€t wird dabei in der Zoologie nicht mehr verwendet, Ă€ltere als VarietĂ€ten beschriebene Namen sind aber verfĂŒgbar und können von spĂ€teren Bearbeitern als Namen fĂŒr Arten oder Unterarten verwendet werden. So wurde zum Beispiel die von Carl Agardh Westerlund beschriebene SĂŒĂŸwasserschnecke Bithynia troscheli var. sibirica spĂ€ter als Art Bithynia sibirica Westerlund, 1886 beschrieben.cite-ref-14[12]
‱ die Benennung von Hybriden mit binomen Artnamen ist vom ICZN ausgeschlossen, auch die korrekte Benennung der Generationen (F1–F6 usw.) ist dort nicht geregelt.cite-ref-15[10.2]cite-ref-16[10.3] Beispielsweise ist der Name Equus mulus Erxleben, 1777 kein gĂŒltiger Name fĂŒr das Maultier (immer eine F1-Generation), das aus einer Pferdestute (Equus caballus) und einem Esel (Equus asinus) gekreuzt wurde. Die Benennung erfolgt stattdessen in Form einer Hybridformel durch Angabe der Artnamen beider Elternteile zu Equus caballus × asinus. Überwiegend wird der Name des Weibchens zuerst genannt. Die F1-Generation bei vertauschten Geschlechtern, der Maulesel, schreibt sich hĂ€ufig entsprechend Equus asinus × caballus. Bei den Pflanzen ist die Beschreibung von Hybriden nach dem Code der Botanischen Nomenklatur zulĂ€ssig,cite-ref-17[9.2] wird aber nicht uneingeschrĂ€nkt empfohlen.cite-ref-18[9.3]

Mikrobiologie

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Hauptartikel

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International Code of Nomenclature of Prokaryotes

FĂŒr die wissenschaftlichen Namen von Prokaryoten wird der International Code of Nomenclature of Prokaryotes (ICNP, Internationaler Code der Nomenklatur der Prokaryoten) – in Kurzform als Prokaryotischer Code bezeichnet – verwendet. Als Prokaryoten werden zwei DomĂ€nen in der Biologie zusammengefasst, die Archaeen (Archaea) und die Bakterien (Bacteria). Bis 2019 wurde der Code als International Code of Nomenclature of Bacteria (ICNB) und in Kurzform als Bakteriologischer Code bezeichnet.cite-ref-icnb-1990-6-2[6] Er wird vom International Committee on Systematics of Prokaryotes (ICSP, englisch fĂŒr ‚Internationale Kommission fĂŒr die Systematik der Prokaryoten‘) ĂŒberwacht und veröffentlicht.cite-ref-icnp-2022-7-2[7] Andere Mikroorganismen werden durch andere Regelwerke erfasst: Pilze und Algen durch den in der Botanik verwendeten ICNafp, Protozoen durch den in der Zoologie verwendeten ICZN. Mit der Revision des ICNP aus dem Jahr 2022 gelten die Regeln fĂŒr die Nomenklatur nun formal ebenfalls fĂŒr die Cyanobakterien.cite-ref-icnp-2022-7-3[7] FĂŒr die wissenschaftliche Benennung der Taxa von Viren gibt es mittlerweile einen eigenen Code.

Bis 1975 wurde der Internationale Code der Botanischen Nomenklatur (ICBN) zur Benennung von Bakterien verwendet.cite-ref-doi10-1099-ijs-0-64137-0-19-0[13] Es brauchte mehrere Internationale Kongresse fĂŒr Mikrobiologie, bis ein eigenes Regelwerk erstellt wurde.cite-ref-icnb-1990-6-3[6] Der Hintergrund war, dass damals etwa 30.000 Namen in der Literatur veröffentlicht waren, aber bei vielen keine eindeutige Zuordnung zu einer Bakterienart möglich war.cite-ref-doi10-1099-ijs-0-64137-0-19-1[13] Ab 1976 wurde an der Erstellung von Listen mit anerkannten Bakteriennamen (englisch Approved Lists of Bacterial Names) gearbeitet und der 1. Januar 1980 als Startpunkt fĂŒr den Bakteriologischen Code festgelegt. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle nicht auf den Listen gefĂŒhrten Bakteriennamen als ungĂŒltig angesehen. Seitdem mĂŒssen neue Bakteriennamen bzw. mittlerweile die Namen von Prokaryoten dem ICNP entsprechend vergeben werden. Vom Internationalen Code der Nomenklatur der Prokaryoten gibt es die 2008 Revision, die 2019 veröffentlicht wurde,cite-ref-icnp-2008-20-0[14] zurzeit gilt die 2022 Revision.cite-ref-icnp-2022-7-4[7] Die Approved Lists of Bacterial Names sind in zweiter Auflage 1989 erschienen, seitdem werden sie durch regelmĂ€ĂŸige Veröffentlichungen der Validation Lists (‚Validierungslisten‘ oder ‚BestĂ€tigungslisten‘) ergĂ€nzt.cite-ref-approved-list-1989-21-0[15] Eine zuverlĂ€ssige Quelle zum Nachschlagen der prokaryotischen Namen ist die Datenbank List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN), die mittlerweile von der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) erworben und neu gestartet wurde.cite-ref-lpsn-22-0[16]

Im Prokaryotischen Code werden die taxonomischen Rangstufen Phylum, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung und Art hierarchisch erfasst. Als optionale Zwischenrangstufen werden Unterklasse, Unterordnung, Tribus als Rangstufe zwischen Familie und Gattung, Untergattung sowie Unterart (Subspezies) definiert. Die Taxa zwischen Unterklasse und Gattung haben entsprechend ihrem Rang eine bestimmte Wortendung (Suffix). Namen fĂŒr Subspezies sind – wie in der Botanik – eine trinĂ€re (ternĂ€re) Kombination unter Einschluss des KĂŒrzels „subsp.“, wie z. B. Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus. Es kommt hĂ€ufiger vor, dass die Namen von Personen, die sich um die Mikrobiologie verdient gemacht haben, in Gattungsnamen aufgegriffen werden. FĂŒr die Bildung derartiger Gattungsnamen existieren feste Regeln und sie sind, unabhĂ€ngig von der Person, feminin. Beispiele sind die Gattungen Hamadaea (nach Masa Hamada benannt), Kurthia (nach Heinrich Kurth benannt) oder Nesterenkonia (nach Olga Nesterenko benannt). Auch die Verwendung eines Diminutivs findet sich hĂ€ufig, wie bei Bordetella, Klebsiella, Salmonella oder Legionella. Wie in der Botanik wird auch der oder die Autorenname(n) (allerdings nicht als KĂŒrzel) und das Jahr der Erstbeschreibung hinter den Namen des Taxons gesetzt. Die Regeln fĂŒr die Umkombination werden analog verwendet. Außerdem kommt es vor, dass die Beschreibung eines Taxons spĂ€ter durch einen oder mehrere Autoren verbessert wurde. In diesem Fall werden die Autorennamen hinter der AbkĂŒrzung „emend.“ (lateinisch emendavit ‚er/sie hat es verbessert‘ oder ‚berichtigt‘) mit der Jahreszahl der Beschreibung aufgefĂŒhrt. Falls beides zutrifft, ergeben sich durchaus lĂ€ngere Zitate, wie bei Micrococcus luteus „(Schröter 1872) Cohn 1872 emend. Wieser et al. 2002“. Die Korrektur von Rechtschreibfehlern (wie z. B. grammatikalisches Geschlecht) wird durch ein vorangestelltes „corrig.“ (lat. corrigendum) angezeigt. Die Verwendung von KapitĂ€lchen fĂŒr Autorennamen ist im Prokaryotischen Code nicht geregelt.cite-ref-icnp-2022-7-5[7]

Die Genome Taxonomy Database (GTDB) verwendet fĂŒr ihre generierten Kladen-Bezeichner ebenfalls eine binĂ€re Nomenklatur mit erweiterten Namenskonventionen. Wird etwa ein Taxon aufgespalten, so können hinter den Gattungs- oder Artbezeichner abgetrennt durch einen Unterstrich Großbuchstaben A, B, C, 
 angehĂ€ngt werden (Beispiele Methanothrix_B thermoacetophila, bisherige Gattung Methanothrix, und Methanocrinis harundinacea_A, beide Methanobacteriota (GTDB: Halobacteriota)). Artbezeichner können aus dem Namen des Referenzstammes abgeleitet sein (Methanothrix_A sp9297u) oder frei generiert (Methanothrix_A sp001602645). Als provisorischer Bezeichner fĂŒr Taxa im Rang ab Gattung aufwĂ€rts wird oft der Name des Referenzstamms der Typusart gewĂ€hlt (UBA114 sp002506335); zur Vermeidung von Mehrdeutigkeiten wird die Rangstufe durch einen PrĂ€fix (g__, f__, o__, c__, g__, p__, d__) vorangestellt (etwa g__UBA114). Die GTDB ĂŒbernimmt daher nicht die provisorischen (nicht-binĂ€ren) Artnamen aus der Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI), die Zuordnung kann aber i. d. R. ĂŒber die Detailinformationen zum Referenzstamm hergestellt werden.cite-ref-23[17] 2023 wurde in einem Fachartikel eingerĂ€umt, dass die Namensvergabe durch die GTDB Website manchmal zu Verwechslungen in der Literatur oder anderen Datenbanken gefĂŒhrt hat. Um die Verwirrung zu reduzieren, haben Wissenschaftler der University of Queensland 223 GTDB-definierte Namen von prokaryotischen Taxa nach dem ICNP als neue Taxa vorgeschlagen.cite-ref-fems-24-0[18]

Virologie

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Hauptartikel

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International Code of Virus Classification and Nomenclature

FĂŒr die wissenschaftliche Benennung der Taxa von Viren (einschließlich Satelliten, Viroiden und Viriformer), mit Rangstufen Spezies (Art) und höher ist das International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) zustĂ€ndig.

Allgemein gilt, dass die Namen aller Rangstufen ab Spezies aufwĂ€rts in GĂ€nze kursiv zu schreiben sind (das gilt auch fĂŒr AbkĂŒrzungen als Bestandteil eines Artnamens, auch in der nicht-binĂ€ren Form). Im Gegensatz dazu werden reine AbkĂŒrzungen jedoch nie kursiv gesetzt. Beispiele sind die Familie Retroviridae mit ihrer Spezies Human immunodeficiency virus 1, abgekĂŒrzt HIV-1. VirenstĂ€mme (englisch strains) und Isolatecite-ref-ictvhowto-25-0[19] werden nicht kursiv gesetzt, auch nicht darin enthaltene Art- und Gattungsnamen.

FĂŒr jede Rangstufe der drei genannten Gruppen gibt es eine vorgeschriebene Namensendung (
virales fĂŒr Virusordnungen, 
satellitidae fĂŒr Satellitenfamilien, 
viroidae fĂŒr Viroidfamilien, 
viriformidae fĂŒr Familien Viriformer). Umlaute werden als Digraphen wiedergegeben, Ligaturen werden aufgetrennt und Diakritische Zeichen werden vom ICTV fĂŒr die offiziellen Bezeichnungen aus den NamensvorschlĂ€gen entfernt (etwa bei Namen aus dem Französischen oder in der Latein-Umschrift des Chinesischen [Kennzeichnung der Töne).cite-ref-26[20]cite-ref-ictvhowto-25-1[19]

Im Unterschied zu den Bezeichnungen fĂŒr zellulĂ€re Organismen (d. h. Lebewesen, Biota) sind die Namenskonventionen auf Ebene der Spezies und darunter freier. Jedoch ist fĂŒr die Benennung von Virusspezies nach den Ergebnissen der Ratifizierungsabstimmung des ICTV im MĂ€rz 2021 seitdem eine zweiteilige (binĂ€re) Nomenklatur die Norm – eine Praxis, die gelegentlich auch schon frĂŒher Anwendung fand (wie z. B. mit Tautonymie bei Marseillevirus marseillevirus, vgl. Gorilla gorilla). FĂŒr Gattungsnamen waren bereits einige Jahre zuvor strenge Regeln eingefĂŒhrt worden, diese mĂŒssen wie bei den zellulĂ€ren Organismen und den höheren taxonomischen Rangstufen einsilbig sein und dĂŒrfen (fast ausnahmslos) keine Ziffern mehr enthalten. Das Suffix ist wie oben erwĂ€hnt auch fĂŒr Gattungsnamen vorgeschrieben (i. d. R. 
virus, alternativ 
satellite, 
viroid oder 
viriform). Im binĂ€ren Format ist das zweite Element, das Art-Epitheton, dagegen in sehr freier Form wĂ€hlbar. Es kann beispielsweise im traditionellen Format angegeben werden als ein latinisiertes Wort in Kleinbuchstaben (wie z. B. bei Vesiculovirus indiana), oder als eine Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen (wie z. B. bei Triavirus phi2958PVL, das Epitheton darf dabei auch mit einem Großbuchstaben beginnen, ein „-“ etwa aus dem Referenzstamm wird entfernt),cite-ref-27[21] auch Minuszeichen kommen vor (wie z. B. bei Mycoabscvirus phiT46-1) sowie eine verkĂŒrzte Tautonomie (wie bei Myrnavirus myrna oder Elvirus EL). Epitheta fĂŒr verschiedene Spezies derselben Gattung dĂŒrfen sich (zumindest in der Praxis) nicht ausschließlich in Groß-/Kleinschreibung unterscheiden.

Die taxonomische ICTV-Systematik ist wie bei den Lebewesen (Biota) an den durch Genom-Analyse festgestellten VerwandtschaftsverhĂ€ltnissen orientiert und löst damit eine seit den 1960er Jahren gebrĂ€uchliche, an der Ă€ußeren Erscheinung und dem ausgelösten Krankheitsbild orientierte Klassifizierung (LHT-System) ab.

Palichnologie

→

Hauptartikel

:

Spurentaxonomie (Ichnotaxonomie) im Artikel Palichnologie

Die Palichnologie verwendet ebenfalls ein binĂ€res Benennungssystem fĂŒr Ichnofossilien (Spurenfossilien). Von Ausnahmen abgesehen, wenn Positiv und Negativ (Abdruck) eines Fossils gegeben sind, ist die Vergleichbarkeit von Spurenfossilien untereinander gewöhnlich grĂ¶ĂŸer, als mit „materiellen“ Fossilien. Daher hat sich in diesem Bereich ein weitgehend eigenstĂ€ndiges Benennungssystem von Ichnofossilien mit Ichnospezies (isp.), Ichnogattungen usw. etabliert, das aber im prinzipiell Ă€hnlichen Regeln folgt.

Eine Ă€hnliche Taxonomie wird fĂŒr Eier verwendet, wenn keine weitere Zuordnungsmöglichkeit vorliegt (mit Oospezies und Oofamilien, beispielsweise Elongatoolithus oosp. fĂŒr einen Vertreter der Oogattung Elongatoolithus).cite-ref-28[22]cite-ref-29[23]

Namensgebung

Namensvergabe

Die Namen werden in der Regel durch die Forscher vergeben, welche die Art das erste Mal wissenschaftlich beschreiben (Erstbeschreibung). Es gibt sowohl in der Botanikcite-ref-30[9.4] als auch in der Zoologie ein paar SpezialfĂ€lle, in denen die Beschreibung bereits vorher und ohne korrekte Namensnennung veröffentlicht wurde – in diesen FĂ€llen wird der Artname der Person zugeschrieben, die den Namen erstmals korrekt eingefĂŒhrt hat.

Um durch die Angabe der Originalquelle eines Namens grĂ¶ĂŸere Eindeutigkeit der Namensverwendung herzustellen, wird in der wissenschaftlichen Literatur der Name des Autors an den wissenschaftlichen Namen angehĂ€ngt. In der Botanik wird der Autorenname meist standardisiert nach Brummitt und Powell (1982)cite-ref-bp-31-0[24] und dem International Plant Names Indexcite-ref-ipni-32-0[25] abgekĂŒrzt, wĂ€hrend AbkĂŒrzungen in der Zoologie unerwĂŒnscht sind. Auch bei den Namen der Prokaryoten wird der Nachname der Autoren angehĂ€ngt.cite-ref-icnp-2022-7-6[7] Steht eine Tierart heute in einer anderen Gattung als der, in der sie ursprĂŒnglich beschrieben worden war, werden Autor und Jahr in Klammern gesetzt. Die AbkĂŒrzungsinitialen fĂŒr den Vornamen des Autors werden in einigen Tiergruppen hĂ€ufig dann dazugesetzt, wenn es andere Autoren desselben Nachnamens in derselben Tiergruppe gab (wobei nirgendwo einheitliche Kriterien angewendet werden). Diese Initialen sind in der BiodiversitĂ€tsinformatik unerwĂŒnscht.

Kriterien fĂŒr die Namensgebung

Die Namen der Gattungs- und Artgruppe werden oftmals aus einem besonderen Merkmal (z. B. Farbe, GrĂ¶ĂŸe, Verhalten), aus dem Ort der Entdeckung oder aus einem Personennamen abgeleitet, jedoch gilt es als verpönt, die Art nach sich selbst zu benennen.

Betrachtet ein Bearbeiter mehrere Namen als Synonyme ein und derselben Art, so hat der Ă€lteste verfĂŒgbare Name Vorrang (PrioritĂ€tsprinzip) und die Synonyme bezeichnen ungĂŒltige Namen.

Zur prinzipiellen Freiheit des Autors, den Namen zu vergeben, sofern keine grundsÀtzlichen Regeln verletzt werden:

Siehe auch

:

Liste von außergewöhnlichen Namen aus der Biologie

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Nomenklatur. In: Duden.de. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
cite-note-22. ↑ nomenclatura. In: PONS Latein-Deutsch. Abgerufen am 11. Oktober 2025.
cite-note-33. ↑ Karl MĂ€gdefrau: Geschichte der Botanik. Leben und Leistung großer Forscher. 2. Auflage. Springer, 2013, ISBN 978-3-642-39400-3, hier S. 58.
cite-note-44. ↑ Hugh Edwin Strickland et al.: Series of propositions for rendering the nomenclature of zoology uniform and permanent. In: Annals and Magazine of Natural History. Including Zoology, Botany and Geology. Band 11, Nr. 70, April 1843, S. 259–275, doi:10.1080/03745484309445300 (englisch, biostor.org).
cite-note-55. ↑ Richard V. Melville (Hrsg.): Towards Stability in the Names of Animals. A History of the International Commission on Zoological Nomenclature 1895–1995. The International Trust for Zoological Nomenclature, London 1995, ISBN 0-85301-005-6 (englisch).
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1. J. McNeill u. a. (Hrsg.): International Code of Botanical Nomenclature. (Vienna Code). Adopted by the Seventeenth International Botanical Congress, Vienna, Austria, July 2005 (= Regnum Vegetabile. Band 146). Gantner, Ruggell 2006, ISBN 3-906166-48-1 (englisch, iapt-taxon.org).
2. International Commission on Zoological Nomenclature (Hrsg.): International Code of Zoological Nomenclature. 4. Auflage. 1999, ISBN 0-85301-006-4 (englisch, iczn.org [abgerufen am 11. Oktober 2025]).
cite-note-ausnahme-1311. ↑ Als Ausnahme wurde das Werk Svenska Spindlar, latinisiert Aranei Svecici des schwedischen Naturforschers Carl Alexander Clerck, das 1757 publiziert wurde, als nomenklatorische Basis fĂŒr die Webspinnen festgelegt, wobei im Code eine Herausgabe fiktiv erst nach dem Systema NaturĂŠ unterstellt wird. Carl Alexander Clerck: Svenska Spindlar uti sina hufvud-slĂ„gter indelte samt under nĂ„gra och sextio sĂ€rskildte arter beskrefne och med illuminerade figurer uplyste. lateinisch Aranei Svecici, descriptionibus et figuris ĂŠneis illustrati, ad genera subalterna redacti, speciebus ultra LX determinati. L. Salvii, StockholmiĂŠ 1757 (schwedisch, uni-goettingen.de).
cite-note-1412. ↑ Ekaterina A. Lazutkina, Nikolay I. Andreyev, Svetlana I. Andreyeva, Peter Gloer, Maxim V. Vinarski: On the taxonomic state of Bithynia troschelii var. sibirica Westerlund, 1886, a Siberian endemic bithyniid snail (Gastropoda: Bithyniidae). In: Mollusca. Band 27, Nr. 2, 2009, ISSN 1864-5127, S. 113–122 (englisch, malaco.de [PDF]).
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cite-note-2721. ↑ Francisco Murilo Zerbini, Peter J. Walker, Elliot J. Lefkowitz, Evelien M. Adriaenssens, María Laura García, Mart Krupovic, Jens H. Kuhn, Arvind Varsani et al.: Differentiating between viruses and virus species by writing their names correctly. In: Archives of Virology. Band 167, April 2022, S. 1231–1234, doi:10.1007/s00705-021-05323-4 (englisch, Epub 19. Januar 2022).
cite-note-2822. ↑ Harsha Dhiman et al.: New Late Cretaceous titanosaur sauropod dinosaur egg clutches from lower Narmada valley, India: Palaeobiology and taphonomy. In: PLOS ONE. 18. Januar 2023, doi:10.1371/journal.pone.0278242 (englisch). Dazu: Enrico de Lazaro: Paleontologists Find 256 Fossil Titanosaur Eggs in India. In: sci-news. 19. Januar 2023, abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch).
cite-note-2923. ↑ Seung Choi, Mark E. Hauber, Lucas J. Legendre, Noe-Heon Kim, Yuong-Nam Lee, David J. Varricchio: Microstructural and crystallographic evolution of palaeognath (Aves) eggshells. In: eLife. 31. Januar 2023, doi:10.7554/eLife.81092 (englisch). Dazu: Natali Anderson: Ornithologists Construct New Phylogenetic Family Tree for Paleognath Birds. In: sci.news. 1. Februar 2023, abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch).
cite-note-bp-3124. ↑ R. K. Brummitt, C. E. Powell: Authors of plant names. Royal Botanic Gardens, Kew 1992, ISBN 0-947643-44-3 (englisch).
cite-note-ipni-3225. ↑ About / About the Authors dataset. In: The International Plant Names Index (IPNI). Royal Botanic Gardens, Kew, Harvard University Herbaria, Australian National Herbarium, 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch).

Literatur

‱ Jacques AndrĂ©: Lexique des termes de botanique en latin (= Études et commentaires. Band 23). Paris 1956 (französisch).
‱ Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
‱ Sheffield Airey Neave (Hrsg.): Nomenclator Zoologicus. A list of the names of the genera and subgenera in Zoology from the tenth edition of Linnaeus 1758 to the end of 2004. The Zoological Society of London, London 1939 (englisch, 10 BĂ€nde, ubio.org (Memento vom 12. MĂ€rz 2022 im Internet Archive)).
‱ Rudolf Schubert, GĂŒnther Wagner: Pflanzennamen und botanische Fachwörter. Botanisches Lexikon mit einer „EinfĂŒhrung in die Terminologie und Nomenklatur“, einem Verzeichnis der „Autorennamen“ und einem Überblick ĂŒber das „System der Pflanzen“. 6. Auflage. Melsungen/Berlin/Basel/Wien 1975, DNB 760048444.

Weblinks

Commons

: Nomenklatur

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ International Code of Botanical Nomenclature (ICBN), aktuelle publizierte Version. Abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch, Ă€ltere Version in deutscher Übersetzung).
‱ International Code of Zoological Nomenclature (ICZN). Abgerufen am 11. Oktober 2025 (englisch).
‱ LPSN - List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature. In: DSMZ. Abgerufen am 1. April 2024 (englisch).
‱ Virus Taxonomy. In: Webseite des International Committee on Taxonomy of Viruses. Abgerufen am 18. April 2014 (englisch).
‱ Taxonomy. In: Website des National Center for Biotechnology Information (NCBI). Abgerufen am 18. April 2014 (englisch).
‱ The PhyloCode
‱ Tree of Life
‱ TreeBASE

Übersetzung und ErklĂ€rung botanischer Namen

‱ HĂ€ufig vorkommende Endungen bei Pilzen
‱ Alphabetisch geordnete WortstĂ€mme bei Pilzen